Luther Tattoo – beseelt von Musik

26.08.2017 – MG                                HIER mehr Fotos

Ergreifende Symbiose von Reformation und Blasmusik

Ein Mega-Musik-Event hat die evangelische Kirchengemeinde der 1800-Seelen-Dörfer Eichen und Erbstadt für das Luther Tattoo gemeinsam mit Florian Neumann, Dirigent und musikalischer Leiter, auf die Beine gestellt. Nach mehr als 2 Jahren Planung formte sich aus einer Idee ein Veranstaltungsereignis der Extraklasse. Völlig unterschiedliche Erwartungshaltungen und Prioritäten wurden zu einem Ganzen zusammengefügt. Der 500. Jahrestag der Reformation durch Martin Luther als zentrales Thema wurde verdeutlicht durch eine Kirchendekoration mit kurzen Spielszenen. Vor diesem Hintergrund gab es eine Musikparade mit internationalen Blasmusikern, die in farbenprächtigen Uniformen perfekt choreographiert, aufmarschierten.

Als zu Beginn nach dem Eröffnungslied „Fanfare fort he coming man“, gespielt von der Luther Big-Band „Sound of Büdingen“ das Licht verlöscht, wird es still in der mit über 1500 Besuchern gefüllten August-Schärttner-Halle. 2 Wächter halten Wacht vor dem verschlossenen Kirchenportal. Schon das Öffnen des Tores ist ein spannungsgeladener Moment. Mit dem Einzug des Sinfonischen Blasorchesters unter der Leitung von Florian Neumann beginnt ein magisches Spektakel.

Bekannt aus vielen TV-Sendungen ist Yvonne Willicks. Mit ihr hat man die ideale Moderatorin gefunden. Selbst rheinische Frohnatur führt sie souverän durchs Programm und versteht es, die eigene Begeisterung aufs Publikum zu übertragen. Bunt und lebendig wird es auf der großen Freifläche, als eine große Kinderschar der Kirchengemeinde einläuft, ein eigens für dieses Projekt gegründeter 50köpfiger Chor seinen Platz einnimmt und Norbert Störkel als Martin Luther seinen großen Auftritt hat. Hier wird die enge Beziehung zwischen Kirche und Musik deutlich, die dem Abend seinen Namen gab.

Und dann geht es Schlag auf Schlag. 7 Bands zeigen ihr Können. Dass es dabei nicht nur um die Musikalität geht, sondern um das Zusammenspiel von Marschmusik, Hymnen und Liedern mit atmosphärischer Beleuchtung und choreografischen Elementen, macht den ganz besonderen Reiz solcher Veranstaltungen aus. In Nebel gehüllt und wechselnden Farbkompositionen bilden sich Formationen, die im Gleichschritt marschieren, mal einen Kreis bilden und ständig neue geometrische Anordnungen bilden, um am Ende geordnet wieder auszumarschieren.

Die Massed Pipes & Drums mit Dudelsack Spielern verschiedener Bands unter der Leitung von Pipe Major Jürgen Spamer macht den Anfang. Wenig später avanciert die Show- und Marschband „La Vaillante“ zum absoluten Publikumsliebling.  Die Franzosen in ihren chicen, farbenfrohen Uniformen begeistern die Besucher mit ihrer Musikauswahl und perfekt ausgeführten, witzig choreografierten Show-Einlagen. Das schnell einbezogene Publikum klatscht im Takt und schwenkt mit kleinen Lichtern. Den 1. Teil beendet das Musikcorps der freiwilligen Feuerwehr Großen-Linden, das schon an diversen Tattoos und internationalen Musikparaden teilgenommen hat.

Schon in der Pause ist man sich einig, einem großen Erlebnis beizuwohnen. „Eigentlich wäre ich heute wie jedes Jahr beim Marktplatzspektakel in Windecken“, erklärt Bürgermeister Gerhard Schultheiß aus Nidderau, „aber das „Luther Tattoo“ ist so ein großes Ereignis, was die Kirchengemeinde und Florian Neumann auf die Beine gestellt haben, dass ich unbedingt hier sein wollte!“ Auch Yvonne Willick ist erstaunt, dass 2 so kleine Dörfer dieses großartige Spektakel organisiert haben. Pfarrerin Stefanie Stracke zeigt sich stolz und voller Freude über die positive Resonanz. Bernd Böttner, Probst der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, weiß in seinem Grußwort zu berichten, dass für Luther Musik und Singen von besonderer Bedeutung war. Dr. Sascha Raabe, Mitglied des Bundestages, hat mit Freude die Schirmherrschaft für dieses große Ereignis übernommen.

Nach der Pause und den Auftritten des Musikcorps Bickenbach und der Euroband Rotterdem fiebert jeder dem großen Finale entgegen. Und wirklich wird es ein Höhepunkt der Emotionen. Unter der Leitung von Florian Neumann kommen alle beteiligten Bands, über 500 Musiker zusammen, spielen zusammen und bilden den Rahmen für den Zapfenstreich, denn darauf geht das Tattoo zurück. Als nach dem Sologesang „Elisabeth“ von Karina auch noch Opernsänger und Adoro-Mitglied Nico Müller unter dem Kirchturm, auf dessen Spitze der Lone-Piper spielt, den Song „Highland Cathedral“ anstimmt und von beiden Seiten die Pipers auf die Bühne laufen, hält es niemand mehr auf den Stühlen. Solo Oboe und Flöte spielen „Arrival“, gefolgt von „The Geal“ mit Trommel und Geige. Und als Zugabe obendrauf gibt es vor dem Ausmarsch „Ich bete an die Macht der Liebe“. Besser kann man es nicht machen.

Bevor das Tor sich ein letztes Mal schließt, entlässt das Publikum die Teilnehmer mit frenetischem Applaus und Standing Ovations nach einer grandiosen Musikparade, die unter die Haut ging, mit Musik, Geschichte und Gesang, an einem unvergesslichen, emotionalen und magischen Abend.

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