„Schön, dass es noch steht!“

17.06.2017 – MG                           HIER mehr Fotos

300 Jahre altes Pfarrhaus Windecken

Auch wenn man den genauen Tag nicht weiß, an dem das alte Pfarrhaus in Nidderau Windecken fertig gebaut wurde, so findet sich in alten Schriften das Jahr 1717. Was lag dann näher, den 300. Geburtstag am 17.6.2017 um 17:17 Uhr zu feiern? Roswitha Bruggaier und Diez Eichler sind seit nunmehr 3 Jahren die Eigentümer dieses geschichtenreichen, wunderschönen Fachwerkhauses neben der Stiftskirche im Herzen von Windecken. Und mit viel Herzblut, Begeisterung und geschichtlichem Interesse haben die beiden begonnen, das alte Haus zu sanieren und zwar so, wie es einmal war und zu 100 Prozent denkmalschutzgerecht. Daß dies nicht nur eine ehrgeizige, sondern vor allem auch kostenintensive Aufgabe war und ist, hat beide nicht geschreckt. Stück für Stück gehen sie ihr großes Projekt an und die Fortschritte sind unverkennbar.

Zum 300 Geburtstag hatten die beiden viele Freunde einladen, die zahlreich erschienen waren, um bei gemütlichem Beisammensein im romantischen Garten bei Speis und Trank zu erzählen und sich an den wohl niemals endenden bisherigen Renovierungsarbeiten zu erfreuen. Dieser Garten, so weiß Roswitha Bruggaier zu berichten, war bei ihrem Einzug eine „grüne Hölle“, zugewuchert mit Giersch und Brennnesseln. Mittlerweile sind zumindest Teile des Gartens ein paradiesisches Kleinod.

Diez Eichler erzählte ein wenig von der langen Geschichte des Hauses, das im Jahr 1717 erbaut wurde und stolze 2264 Gulden gekostet hatte. Dies war zur damaligen Zeit eine wahrlich hohe Summe. Zum Vergleich betrug damals der Jahresetat der Stadt Klein-Auheim gerade mal 924 Gulden.

Wechselvolle Jahre begannen für das „Erste Pfarrhaus“, das im Erdgeschoss aus Bruchstein, im Obergeschoss und Giebel Fachwerk war. Jedoch war es immer verputzt und auch nie als Sichtfachwerk geplant.

Doch ein Haus lebt und verändert sich, weiß Diez Eichler und erzählte von Mängeln und unzähligen Briefen und Eingaben an die Präsenz. 1852 befand der Pfarrer: „Die Dienstwohnung genügt den bescheidensten Anforderungen nicht!“ Vom verkommensten Haus in Windecken war 1964 die Rede.

Das Ehepaar Bruggaier/Eichler wurde von allen Seiten gewarnt, als sie das Haus kauften. Viel Arbeit, Geld und Enthusiasmus haben beide investiert. Das wird sich nicht ändern, denn kaum hat man etwas gemacht, beginnt schon der Alterungsprozess. Doch die beiden schreckt dies nicht. Sie haben in Windecken nicht nur eine neue Aufgabe und eine neue Heimat, sondern auch viele neue Freunde gefunden, die sich an diesem Geburtstagsabend noch bis weit nach Mitternacht bei Ihnen wohl gefühlt haben und sich einig waren – Schön, dass das Haus noch steht!

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