Doppel Brückner mit Japaner präsentieren Seelendichter

22.04.2017 -MG

Hommage an Hermann Hesse                       HIER mehr Fotos

Zwei Männer – ein Name: Gleich zweimal Klaus Brückner an einem Abend sorgte für einiges Schmunzeln. Denn die Lesung „Hermann Hesse tanzt aus der Reihe“ vom Schauspieler Klaus Brückner fand passenderweise im Café des Konditormeisters Klaus Brückner statt. Der kleine Rahmen im gemütlichen Café mit gerade 30 Plätzen sorgte für eine persönliche, intime Atmosphäre.

Wer den Namen Hermann Hesse hört, der denkt mit Sicherheit zuerst an seine großen Werke „Der Steppenwolf“, „Siddhartha“ und „Das Glasperlenspiel“. Eine andere Facette des berühmten Schriftstellers kam an diesem Abend mit kurzen Gedichten zu Gehör. Hierbei hatte Brückner aus 3000 Gedichten 33 ausgewählt, die in 3 Themenbereiche gegliedert waren.

Umrahmt, ergänzt und atmosphärisch verdichtet wurde die Lesung durch musikalische Zwischenspiele des Gitarristen und Sängers Sunyata Kobayashi. Dieses Zusammenwirken von Anmerkungen und Einblicken aus dem Leben und der Persönlichkeit von Hermann Hesse mit der Rezitation seiner Gedichte und dem Ausklingen zur Reflektion mit den entsprechenden musikalischen Einlagen, machte den besonderen Reiz der Lesung aus, die im Rahmen der 18. Buchmesse Main-Kinzig in Nidderau stattfand.

Den Anfang machten frühe Gedichte des jungen Hermann Hesse, der beide Weltkriege erlebt hatte und ein erklärter Kriegsgegner war. Zynisch und oft selbstironisch geht er mit sich zu Gericht. Trinkfreudig war Hesse und verstand es zu feiern. Denn nicht den Philosophen Hesse stellt Brückner an diesem Abend in den Vordergrund, sondern den Menschen.

Ausschweifungen, Liebe und Abschied – das sind die 3 Bereiche, in denen er den anderen Hesse, den, der aus der Reihe tanzt, portraitiert. Einen der ehrlichsten Dichter überhaupt, ein Seismograph seiner selbst, der sich selbst betrachtet, beschreibt und damit auch selbst therapiert. Sunyato Kobayashi findet die richtigen Klänge dazu. Mal instrumental, mal mit eigenen Songs, einfühlsam und berührend. „Don’t you know, how I feel“, „time to fall in love“, „I’m following the truth“. Dazu Verse, Worte, Gefühle von Hesse, die im Gedächtnis bleiben. „Kopflos“, „Soiree“, „Sonderling“, „Weinerlich“, „leicht betrunken“, „Wollust“, „Verführer“ und „Träume“, Träume von dem weißen Schloss, „nur von mir und meinen Träumen bewohnt“…

Spät kommt oft der Applaus, die Zuhörer gefangen in Worten und Stimmungen. Dann versteht es Brückner, aufzulockern. Er erzählt von sich, wie er erst spät auf Hesse gestoßen ist. Und wie er Sunyato Kobayashi als idealen Partner gefunden hat. Bei den Dreharbeiten zu einem Stummfilm war es. Selbst als Richard Wagner, Kobayashi als König Ludwig. Quasi ein japanischer Kini… Dass Hesse auch auf Japanisch funktioniert und dort und in Südkorea gelesen und geschätzt wird, kann man bei der Rezitation eines Gedichtes mit Simultan Übersetzung miterleben.

Eine außergewöhnliche Lesung, ein besonderer Abend mit Mini Satiren und Mini Dramen von einem, der sich selbst aus dem Sumpf gezogen hat, einem Seelendichter, denn „Lyrik scheibt man nur für sich selbst!“

Close