Klaviermusik in Vollendung

05.03.2017 – MG                 HIER mehr Fotos

Luiza Borac gastiert in Nidderau

Erinnerungen nicht nur an die ganz großen Komponisten Chopin und Liszt wurden beim Konzert der Reihe „Weltklassik am Klavier“ mit der Künstlerin Luiza Borac lebendig, sondern vor allem war es eine Hommage an einen der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts, an den im Alter von 33 Jahren früh verstorbenen Dinu Lipatti. Wie kein anderer hat er, über den man sagt „Einen wie ihn gab es nie, und wird es nie wieder geben“, zu seiner Zeit die Musikliebhaber begeistert. An diesem Abend im Bürgerhaus Ostheim wurde man eines anderen belehrt. Mit Luzia Borac saß eine Pianistin am Klavier, die mit unglaublicher technischer Brillanz und hinreißender Intensität die Besucher begeisterte.

Die gebürtige Rumänin, die schon mit 4 Jahren mit dem Klavierspiel begann, studierte an der Musikhochschule Bukarest und an der Hochschule von Musik und Theater in Hannover, wo sie mit Bestnoten in der Solistenklasse abschloss. Mehr als 30 Preise gewann sie bei Wettbewerben, wobei sie besonders für ihre Enescu-Einspielung gefeiert und mit dem BBC Award ausgezeichnet wurde.

Ca. 60 Besucher im Ostheimer Bürgerhaus sorgten für eine private Atmosphäre, wozu auch – wie schon Tradition – das Entzünden der Leuchter Kerzen und das Läuten des Glöckchens durch Jürgen Reuling, den Vorsitzenden des Kulturbeirats, beitrugen.

Als Thema hatte Luiza Borac „Unvergängliches von Chopin und Liszt“ für diesen Abend in Nidderau zusammengestellt und sich bei Chopin auf die Walzer konzentriert. Kraftvoll und zart zugleich erweckte sie dabei Lipatti und Chopin zum Leben. Technische Brillanz sind bei ihr gepaart mit Charme und lyrischer Poesie.

Nach der Pause brillierte Borac mit Klavierbearbeitungen von Franz Liszt und ließ vergessen, dass es „nur“ ein Klavier ist, das die Musik spürbar macht und nicht ein komplettes Orchester. Zuweilen glaubte man, in ihren musikalischen Erzählungen die Geige zu hören, andere Instrumente und doch gelingt ihr all dies mit dem Klavier. Ganz anders ist Liszt, aber man spürte bei Luiza Borac die gleiche Intensität, mal anrührend, dann wieder kraftvoll mit einer gnadenlosen Fingerfertigkeit, mit der sie die Tasten bewegt zu Musik von hinreißender Schönheit und Klangfülle der Töne. Freund und Feind zugleich, scheinen ihr die Tasten, wenn sie mal gestreichelt und mal gehämmert werden.

Wohl kalkuliert der fulminante Abschluss mit der Ouvertüre der Rossini Oper „Wilhelm Tell“, dessen hinreißender Vortrag alle begeisterte. Riesiger Applaus für ein Konzert der Superlative.

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