Neujahrsempfang 2017 der Stadt Nidderau

22.01.2017 – MG                     HIER mehr Fotos

Verantwortung im Focus

Verantwortung war das große Thema des Neujahrsempfangs der Stadt Nidderau.  „Mensch sein heißt verantwortlich sein“ schrieb einst Antoine de Saint-Exupéry in seinem Werk „Wind, Sand und Sterne“. Dieses Zitat ist in der heutigen Zeit aktueller denn je.

Nach der Einstimmung durch das Trio „Swinging Angels“, das den Empfang musikalisch begleitete, begrüßte Jürgen Reuling, der Vorsitzende des Kulturbeirats der Stadt Nidderau, zunächst die zahlreichen Ehrengäste, unter ihnen MdL Christoph Degen für das Land Hessen, der Kreisbeigeordnete Matthias Zach für den MKK und Bürgermeister Gerhard Schultheiß und Stadtrat Rainer Vogel für die Stadt Nidderau.

In seiner Ansprache betonte Reuling, dass gesunder Menschenverstand über Polemik, Klamauk und Egoismus zu stellen sei. Dabei ist das Bewusstsein zu stärken, dass wir nur in Freiheit existieren können, in der Freiheit des Denkens, Handelns und des gemeinsamen Miteinanders. Eine Minderheit, die sich selbst als das Volk bezeichnet, darf dies nicht kaputt machen. Es liegt an uns, sich einzubringen, zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen durch Ehrlichkeit, Verstehen und vor allem Toleranz. Verantwortung übernehmen heißt auch, den Einschüchterungsversuchen der Extremisten standzuhalten und sich nicht wehrlos und sprachlos machen zu lassen.

Auch Bürgermeister Gerhard Schultheiß befand, dass die Weltlage komplexer geworden ist und wir augenblicklich einen Zeitenwechsel erleben, dessen Folgen nicht absehbar sind. Schlagworte wie Cyber Attacken, Börsencrash, Pegida, Reichsbürger, Klimawandel, Brexit und zuletzt Präsident Trump sind kennzeichnend für das Weltgeschehen. Im Zeitalter des Populismus sind Freiheit und Demokratie in Gefahr. Nach den grausigen Kriegen des letzten Jahrhunderts wurde den Menschen der Satz „Wehret den Anfängen“ eingebläut. Was ist davon übriggeblieben? Eine nebulöse Unzufriedenheit wird gepflegt, Hass und Hetze sind Volkssport, Kanzlerin Merkel spricht von einer irritierenden Freude am Scheitern. Und dies in einer Zeit, in dem das Land so gut dasteht wie nie. Hier ist es Aufgabe der Politik, die Spanne zwischen Reich und Arm zu verkleinern und Sozialleistungen und Renten zu erhöhen, so dass auch Geringverdienern ein würdevolles Leben garantiert wird und Kinderarmut kein Thema mehr sein darf.

Im städtischen Bereich von Nidderau zeichnete Schulheiß ein positives Bild und hob die vielen Fortschritte der letzten Zeit hervor, das Nidder Forum in der Neuen Mitte, die Ortsumgehung und neu geschaffener Wohnraum in allen Stadtteilen. Besonders lobte er als positives Vorbild das große Engagement der Flüchtlingshilfe. So auch sein Appell: „Denken Sie an das Verbindende und nicht an das Trennende!“

Nach dem obligatorischen Jahresrückblick in Bildern stand die Verleihung des Kulturförderpreises, gestiftet von Dieter Gonze und Klaus-Peter Rug, an das Blechbläserensemble „Mixary“ an. Im Jahre 2005 von der Musikschule gegründet, spielen hier unter der Leitung von Roman Mixa Jugendliche aller Altersstufen ab 11 Jahren zusammen.

Nach Kultur und Politik ergriff im Namen der Kirchengemeinden beider großer Konfessionen Pfarrerin Dr. Friederike Erichsen-Wendt das Wort. Im Rückblick auf das Vergangene und die Vorausschau auf das Kommende sieht sie die Verantwortlichkeit für beides. Hieraus gilt es zu handeln, denn verantwortlich sein bedeutet: „Ich bin meiner Welt nicht hilflos ausgeliefert. Ich kann meine Welt gestalten.“ Es ist christliche Überzeugung, jederzeit vor Gott Rechenschaft ablegen zu müssen. Früher war dies und die daraus resultierende Verantwortung eine Selbstverständlichkeit. Heute hat sich vieles verändert und es macht Angst. Und dies, obwohl wir in einem Land leben, dessen Sicherheitsindex zu den höchsten der Welt gehört. „Unsere Herausforderung heute ist“, so Erichsen-Wendt, „dass wir uns unweigerlich mit Menschen verbunden sehen, die wir uns nicht ausgesucht haben.“ Das einfachste ist, zu akzeptieren, füreinander verantwortlich zu sein. So sind auch die Kirchen Foren, wo man Verantwortung übernehmen kann. In diesem Zusammenhang dankte sie den vielen Institutionen, Parteien und Organisationen für ihre Wertschätzung und Offenheit. Allen, besonders aber denen, die ein Amt in dieser Stadt innehaben, wünschte sie im Reformationsjahr Gottes segenreiches Geleit.

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