Spanische Nacht, auch ohne Sterne

18.06.2016 MG                              HIER mehr Fotos

Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage waren die Organisatoren gezwungen, das unter freiem Himmel geplante Konzert aus der Reihe „Klassik unter Sternen“ in die KuS-Halle zu verlegen. Der wunderschöne Schlossgarten in der Oberburg, wo die Veranstaltung traditionell stattfindet, war völlig aufgeweicht. Zudem waren auch noch Gewitter angesagt. So hatte man in der KuS in Heldenbergen mit Hilfe der Beleuchtung spanisches Flair geschaffen, denn das musikalische Thema des Konzerts war ja die spanische Nacht.

Spanische_Nacht_002Fast 500 Zuschauer waren gekommen, um sich von mitreißenden spanischen Klängen verzaubern zu lassen. Unter ihnen konnte Jürgen Reuling als Vorsitzender des Kulturbeirats sogar eine Delegation aus Yaroslavl, der Partnerstadt von Hanau begrüßen, bevor das Programm mit der Ouvertüre aus der Oper Carmen begann.  Das Venezia Festival Ensemble der Frankfurter Sinfoniker spielte unter der Leitung von Markus Elsner, der auch locker und charmant den Abend moderierte und viel zu erzählen wusste.

Spanische_Nacht_011Die aus Stuttgart stammende und in Wien lebende Mezzo-Sopranistin Christina Baader überzeugte von Anfang an mit ihrer hinreißenden Stimme und durch ihr darstellerisches und ausdrucksvolles Potenzial. Stimmlich nicht nach stand ihr, der von einem früheren Auftritt in Nidderau schon bekannte Tenor Han-Bo Jeon, der zwar etwas hölzern wirkte, dies aber durch seine große, in Höhen und Tiefen beeindruckende Stimme wettmachte. Auch im Duett harmonierten die beiden.

Mit den berühmten Arien aus Carmen, der spanischsten aller Opern, aber von Bizet als einem Franzosen komponiert, wurde nahezu der gesamte 1. Teil des Abends bestritten. Wer kennt nicht die „Habanera“, gefühlvoll vorgetragen von Christina Baader, die schon 80 Mal die Carmen gespielt hat. Eine der schönsten Liebeserklärungen der Operngeschichte ist die „Blumenarie“ des Don José, interpretiert von Han-Bo Jeon, der das Nidderauer Publikum atemlos lauschte. Aber auch in den Duetten überzeugten beide Solisten stimmgewaltig und technisch beeindruckend.

Spanische_Nacht_015Nach so viel Bizet konnte Markus Elsner nachweisen, dass es auch faszinierende spanische Komponisten gibt. Der von den Sinfonikern gespielte „Boléro“ von Enrique Granados ist ganz anders als der von Ravel und hat doch einen wunderbaren Reiz. Was für die USA das Musical und für Österreich die Operette ist, das ist für Spanien die Zarzuela. Bevor es in die Pause ging, hörte man hierzu „El trust de los tenorios“.Spanische_Nacht_022

Gastronom Holle aus Hanau sorgte in der Pause mit spanischen Speisen und Getränken für das leibliche Wohl der Besucher, bevor Christina Baader und Han-Bo Jeon mit 2 weiteren Zarzuelas von Ruperto Chapi den 2. Teil einläuteten. Eine Kombination dreier Werke von Enrique Granados präsentierte im Anschluss das Venezia Festival Ensemble, bei dem besonders Tatjana am Violoncello
auf sich aufmerksam machte. Eine hochverehrte Legende in Argentinien, der Heimat des Tangos, ist Carlos Gardel, von dem Jeon eines der schönsten Stücke „El día que me quieras“ sang. Zum Ende gings dann zurück zu Carmen. Südspanien, Gebirge, Schmuggler, Lagerfeuer – das alles assoziierte man bei Christina Baader, als sie mit großer Hingabe, Leidenschaft und Temperament das Zigeunerlied interpretierte.

Spanische_Nacht_028Großer Jubel und Begeisterung beim Publikum, für das es als Zugabe „Besame mucho“ mit Christina Baader gab und von Han-Bo Jeon großartig gesungen „Granada“. Zwei großartige Solisten der Extraklasse, abgerundet mit dem bestens aufgelegten Venezia Festival Ensemble unter der Leitung von Markus Elsner sorgten für einen wunderbaren Konzertabend.

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