Feuerwerk am Piano

12.03.16 MG                           HIER mehr Fotos

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Die Latte hing hoch nach dem ersten Konzert der neuen Reihe „Weltklassik am Klavier“, das mit der Pianistin Katharina Treutler im Februar Premiere feierte. Umso gespannter war man nun, ob das hohe Niveau gehalten werden konnte. Mit der georgisch-deutschen Pianistin Catherine Gordeladze hat man nun eine hochkarätige von der Presse gefeierte Pianistin und Chopin-Preisträgerin nach Nidderau geholt, die die hohen Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern noch toppte. In Tiflis geboren, lernte sie im Alter von 6 Jahren das Klavierspiel an der Musikschule für hochbegabte Kinder und hatte schon mit 7 ihren ersten Orchesterauftritt. Sie entwickelte sich kontinuierlich weiter, gewann viele Preise und gab Konzerte in der ganzen Welt. Eine Heimat fand sie in Frankfurt am Main, wo sie derzeit als Dozentin an der Musikhochschule arbeitet. So gesehen bedeutete der Auftritt in Nidderau ein Heimspiel für die sympathische Künstlerin.

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Auch im 2. Konzert hatte Jürgen Reuling vom Kulturbeirat für eine festliche Atmosphäre im Bürgerhaus Ostheim gesorgt. Nicht ohne Stolz bekannte er, mit dieser neuen Veranstaltungsreihe nicht nur ein Forum für junge, begabte Pianisten geschaffen zu haben, welches auch das junge Publikum an die Klassik heranführen soll, sondern in der Proportion für Nidderau erreicht zu haben, was machbar und realisierbar ist.

Als „Klanggemälde“ war an diesem Abend das Programm überschrieben, wobei der erste Block dem italienischen Komponisten Muzio Clementi, einem Zeitgenossen Mozarts, gewidmet war. Mit ihrem präzisen Spiel wurde Gordeladze diesem Thema gleich zu Beginn mehr als gerecht. Sie brillierte mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit, so dass das Auge des Zuhörers den Fingern nicht zu folgen vermochte. Ein weiteres Highlight im Programm war ohne Zweifel Gordeladzes Interpretation der Valse von Frederic Chopin, wobei sie mit dem notwendigen Gefühl auch die Leichtigkeit, den gewissen Esprit ebenso wie das Spannende und Furiose in ihren Vortrag brachte. Bei Czernys Variationen über den Trauerwalzer von Franz Schubert wechseln melancholische Phasen mit schwungvollen Variationen. Auch hier überzeugt Catherine Gordeladze mit ihrer temperamentvollen Beschwingtheit und grandiosen Virtuosität. Eine Zuhörerin weiß in der folgenden Pause von ihren Assoziationen über einen Schmetterling auf einer Blumenwiese zu berichten. Stürmisch und zugleich sensibel klingt das Spiel. Man merkt, die Tasten sind ihr Freund, werden gestreichelt, auf sie gehämmert, dann wieder liebkost in ständigem Wechselspiel.

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Auch im 2. Teil lässt Gordeladze im Traum einer Sommernacht von Louis Morreau Gottschalk die Töne wie aus einer Quelle, die man plastisch vor sich sieht, sprudeln. Dank ihrer mühelosen und gleichermaßen kraftvollen, atemberaubenden Stakkato-Technik weiß sie in allen musikalischen Stimmungen zu überzeugen. Zudem erlaubt es ihr perfekt funktionierendes Gedächtnis, ohne Noten zu spielen. Temperamentvoll und mit unverwechselbarer Handschrift lassen ihre Souvenirs d’Andalousie spanisches Flair voller Lebensfreude verbreiten.

Begeisternder Abschluss des Konzertabends bildete – wer kennt sie nicht? – die „Rhapsodie in Blue“ von George Gershwin. Berühmt, beliebt, bekannt und dennoch lässt sich sagen, so virtuos, verspielt und faszinierend hat man sie selten gehört. Jürgen Reuling brachte es nach einem Klavierabend der Extraklasse mit seinem Schlusswort und Dank an die Künstlerin auf den Punkt: „Sie haben uns unheimlich viel gegeben!“

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