Der Wettergott liebt Klassik

06.07.2014 – MG                       HIER mehr Fotos

Die besorgten Mienen der Veranstalter des Konzerts „Klassik unter Sternen“ am Sonntag, den 6.7.2014 im Schlosspark der Oberburg in Heldenbergen, waren unnötig. Der Wettergott zeigte sich gnädig und das befürchtete und angekündigte Gewitter zog erst am Ende des Abends auf.

Klassik_unter_Sternen_2014_006Über 550 Personen hatten sich zum Ope(r)n Air Konzert, gefördert vom Hauptsponsor Autohaus Staaf, dem Kultursommer Main-Kinzig-Fulda und der Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen eingefunden, um bei Getränken und kleinen Speisen des Caterers Christian Holle einen italienischen Abend mit bekannten Arien zum Thema zu genießen.

Die Prominenz aus allen Bereichen war so zahlreich erschienen, dass Jürgen Reuling, der Vorsitzende des Kulturbeirats, bei der Begrüßung auf Namensnennung verzichtete. Nur eine Familie hob er heraus, die eigentlichen Gastgeber des Abends, die Familie Alexander Freiherr von Leonhardi, die einmal mehr für die bereits zum 6. Mal veranstaltete Gala ihren Schlosspark zur Verfügung gestellt hatte.

Für das Programm des Abends hatte man eine Salonbesetzung der Frankfurter Sinfoniker gewonnen, die die beiden Gesangssolisten Cecilia Berglund (Sopran) und Han Bo Jeon (Tenor)  auch in so kleiner Runde gekonnt begleiteten, wozu  Stefan Ottersbach als bekannt lockerer Moderator bemerkte, dass es immerhin 5 Streicher gäbe, die machten, was sie immer tun, während Roland Schmiede am Klavier alles spielt, was dann an anderen Instrumenten fehlt. Und in der Tat hatte dies seinen besonderen Reiz.Klassik_unter_Sternen_2014_016

Nach der musikalischen Einleitung zum 1. Akt der Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi durch die Sinfoniker folgte mit dem Auftritt von Han Bo Jeon gleich ein Höhepunkt mit der Arie des Rodolfo „Che gelida manina“ von Giacomo Puccini. Der aus Seoul stammende Koreaner zog mit seiner kraftvollen und virtuosen Stimme und der souveränen Technik das Publikum sofort in seinen Bann. Und mit „La Bohème“ ging es auch weiter. Diesmal stellte die schwedische Sopranistin Cecilia Berglund, die schon als Kind mit 6 Jahren zum 1. Mal auf der Bühne stand und mit 10 Jahren in der Stockholmer Oper sang, ihr Können unter Beweis. Selbst schon als Mimi auf der Bühne gestanden, verkörperte sie an diesem Abend die Musetta mit dem Walzer „Quando m’en vo“ aus dem 2. Akt.  Während es bei ihrem männlichen Kollegen lediglich bei der  Emotion etwas zu bemängeln gab, zeigte sie neben der stimmlichen Vitalität vor allem Leidenschaft im Ausdruck. Mit der berühmten Arie „Nessun dorma“ aus der Oper „Turandot“ konnte Han Bo Jeon dann voll überzeugen und rief Erinnerungen an die großen Tenöre unserer Zeit wach.

Nach einem Ausflug in die Operette ging es in die Pause, die angenehm lang Gelegenheit gab, nicht nur sich zu erfrischen und den kleinen Hunger zu stillen, sondern auch zu Spaziergängen im wunderbaren Park der Leonhardis.Klassik_unter_Sternen_2014_019

 

Italienisch ging es auch nach der Pause weiter, wobei die Stücke wie das Neapolitanische Ständchen, das Chianti-Lied und das Casanova-Lied Ohrwürmer sind, ohne dass manch einer weiß, wer der Komponist Gerhard Winkler ist. Zum Schluss hatten beide Solisten noch einmal die Möglichkeit mit einer Bravourarie wie „Granada“, die zwar nicht italienisch, sondern – wer hätte es gedacht – ein mexikanisches Stück ist und mit dem langsamen Walzer „Non ti scordar di me“ zu glänzen. Das gemeinsame Duett „Funiculi, funicula“, das die Standseilbahn in Neapel besingt, regte das begeisterte Publikum zum Mitklatschen an und beendete den offiziellen Teil. Dass dann nach Dank und Blumen noch eine Zugabe fällig war, verstand sich von selbst. Nach dem „Trinklied“ aus „La Traviata“ und dem zum Abschied stets passenden modernen Klassiker „time to say goodbye“ gab’s stehende Ovationen.

HIER mehr Fotos

 

Close