Spuren der Vergangenheit

28.06.2014 – MG                HIER mehr Fotos

Juden in Heldenbergen

Führung_Kingreen_003Dunkle Wolken hingen – man könnte fast sagen: passend zum Thema – am Himmel, als Monica Kingreen zu ihrer Stadtführung „Rundgang auf den Spuren jüdischer Familien in Heldenbergen“ einlud. Ungeachtet des drohenden Regens war eine Vielzahl  Interessierter erschienen, unter ihnen Bürgermeister Gerhard Schultheiß und Frau, der 1. Vorsitzende des Kulturvereins Jürgen Reuling und der ehemalige letzte Bürgermeister von Heldenbergen Bernd Reuter, um nur einige zu nennen.

Jürgen Reuling begrüßte die Teilnehmer und wies auf die umfangreichen Planungen und Gedanken hin, die sich das Organisationskomitee für das Festprogramm „1175 Jahre Heldenbergen“ gemacht hat, wobei sich viele über die Grenzen Heldenbergens hinweg engagiert hatten und mit Frau Kingreen geradezu eine Koryphäe auf dem Gebiet jüdischen Lebens in Nidderau gewonnen werden konnte, die viele Jahre deren Schicksale erforscht und auch in dem Buch „Jüdisches Landleben in Windecken, Ostheim und Heldenbergen“ festgehalten hat, wobei nach Anfängen in Windecken und später Ostheim am Ende noch Heldenbergen hinzukam, was ihr aufgrund der vielen Familien, die dort gelebt hatten, viel Arbeit, aber auch viel Freude bereitete.

Der Rundgang startete in der ehemaligen Judengasse, die 1915 umbenannte, heutige Bahnhofsstraße. In diesem Umkreis lebten im 19. Jahrhundert nahezu 1500 Juden. Doch im Laufe von Krieg und Verfolgung reduzierte sich die große Anzahl –  auch durch Abwanderung nach Amerika –  immer mehr. Die kleine jüdische Gemeinde bestand aus Metzgern, Viehhändlern, Bäckern und Inhabern kleiner Geschäfte. Nur im religiösen Leben war man von den anderen getrennt, aber man kannte und respektierte sich und war auch vertraut mit deren jeweiligen Festen. Erst die Nationalsozialisten zertrümmerten dieses Gefüge. Im November 1938 wurde die Synagoge geschändet und die Juden nach Buchenwald verschleppt.

Kingreen führte die Rundgangsteilnehmer an den früheren Standort der Synagoge und zu Wohn- und Geschäftshäusern der jüdischen Bevölkerung. Sie erzählte von den Schicksalen der Menschen für die Heldenbergen Heimat war, vom Leben Leopold Wertheimers aus der Untergasse 1, einem hochgeachteten Bürger; vom Bäcker Gustav Eckstein; vom Metzger Manuel Scheuer, der nach San Francisco auswanderte, aber der Heimat immer verbunden blieb; von der Familie Ballin Oppenheimer, die sehr erfolgreich technisches Gerät und landwirtschaftliche Geräte herstellte und später deportiert wurde und von den Rothschilds, Jenny und Josef, und ebenso dessen Bruder Abraham Rothschild. Menschenschicksale, die an diesem Nachmittag lebendig wurden und betroffen machten.

Folgerichtig endete die Führung am jüdischen Friedhof, dem alten am Kellerberg, aus der Zeit von 1818 – 1879 und dem neuen an der Straße nach Kaichen, der 1880 die erste Beerdigung erlebte und wie viele andere in der Nazizeit 1938 entweiht wurde.Führung_Kingreen_038

Das Schlusswort hatte bei nun einsetzendem Regen Bernd Reuter mit einem bitteren Zitat, das in Bezug auf die Anwesenheit Gottes angesichts der Gräueltaten im Hitler-Regime, die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung nur im Glauben getrennter Menschen widerspiegelt: „Eurer war nicht da und unserer kommt nicht wieder!“

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