Heiter trifft Besinnlich

05.04.2014 – MG                  HIER mehr Fotos

Lesungen zur 15. Buchmesse Main-Kinzig in Nidderau

Bereits zum 15. Male fand in der Zeit vom 4. – 6. April 2014 die Buchmesse Main-Kinzig in Nidderau mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Aktionen und  Lesungen statt, bei der regionale Verlage und Autoren ihr Angebot präsentieren.

Lesung_Susanne_Froehlich_004Ungewöhnlich locker und humorvoll ging es am 4. April bei der Eröffnung der Buchmesse im Bürgerhaus Ostheim zu, die den Auftakt mit einer Lesung der Bestseller-Autorin Susanne Fröhlich aus ihrem neuen Buch „Aufgebügelt“ bildete. Die zahlreich erschienen Fans der bekannten ehemaligen Radio-Moderatorin bei HR3 bevölkerten das restlos ausverkaufte Bürgerhaus und kamen voll auf ihre Kosten.  Gewohnt schlagfertig, pointenreich und sprachgewaltig zog die Autorin bei ihrer Buchvorstellung, die sie sowohl als Lesung als auch als „Einfrau-Talkshow“ mit dem Publikum gestaltete,  die Zuhörer, immer wieder Lachsalven auslösend, in ihren Bann.

Bürgermeister Gerhard Schultheiß begrüßte zahlreiche Ehrengäste, allen voran Landrat Erich Pipa, der hervorhob, dass Nidderau die einzige Stadt im ganzen Main-Kinzig-Kreis sei, die eine Buchmesse veranstalte und dies nun schon zum 15. Mal, wobei er  Hermann Hesse mit den Worten zitierte:  “Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern sich aus eigenem Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte.“  Trotz Internet und digitaler Medien sei die Liebe zum Buch ungebrochen. Nach dieser kurzen Einführung übernahm Susanne Fröhlich sofort das Regiment und der Zuhörer erfuhr so allerlei zum Teil persönliches, zum Teil erfundenes über Beziehungskrisen, Partnerschaft-Tipps und Kindererziehung, wobei sie immer das Publikum unmittelbar mit einbezog. So wurde es ein Abend, der kein Auge trocken ließ, mit hohem Unterhaltungswert einer extrovertierten, mit Witz und Schlagfertigkeit ausgestatteten Schnellsprecherin.

Lesung_Gudrun_Landgrebe_009_geschnittenGanz anders verlief am nächsten Abend die Lesung der bekannten Schauspielerin Gudrun Landgrebe in der Bertha-von-Suttner-Schule. Anlässlich des 100. Todestages von Bertha von Suttner mit zahlreichen Aktionen war die Lesung, angekoppelt an die Buchmesse, ein besonderer Höhepunkt einer Kulturmeile zum Thema „1. Weltkrieg und das Leben in dieser Zeit in Nidderau“.  Mit Stolz und Freude konnte die Schulleiterin der BvSS Frau Manuela Brademann ihrer Dankbarkeit gegenüber dem Ausstellungsteam mit  Projektpfarrer Otto Löber, dem Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Ostheim  Herrn Heinrich und dem Historiker von der Universität Frankfurt Herrn  Prof. Dr. Jürgen Müller, Ausdruck verleihen.

Anschließend gab Professor Müller, der das Projekt wissenschaftlich begleitet.  einen kurzen Einblick in Leben und Werk von Bertha von Suttner.  1843 in Prag geboren wuchs sie ohne Vater, der schon vor der Geburt verstorben war, auf. Der Plan, eine vorteilhafte Ehe für die junge Frau zu schließen, scheiterte. Erst mit 30 Jahren lernte Bertha, die als Erzieherin bei den von Suttners in Wien arbeitete, Arthur, den Sohn des Hauses, kennen. Sie heirateten gegen den Widerstand der Familie und verließen Wien. Nach 9 Jahren, in der sie sich als Schriftstellerin und er sich als Journalist verdingte, kam es zur Rückkehr und Versöhnung. 1889 wurde sie mit ihrem pazifistischen Roman „Die Waffen nieder“ schlagartig berühmt. Sie engagierte sich in der Friedensbewegung und erhielt 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis. Ihr Buch „Die Waffen nieder!“ schildert das Leben der Gräfin Martha Althaus, die in 4 Kriegen ihre Ehemänner verliert und darüber zur Kriegsgegnerin und Pazifistin wird.  

Lesung_Gudrun_Landgrebe_014Lesung_Gudrun_Landgrebe_003Nach der musikalischen Ouvertüre des Konzerts in D-Moll von A. Marcello durch den Schulpfarrer Andrew Klockenhoff am Klavier und der Schülerin Julia Balser, Oboe, begann der Höhepunkt des Abends mit der Lesung des 1. Kapitels von „Die Waffen nieder!“ durch Gudrun Landgrebe. Perfekt in Szene gesetzt schon ihr Auftritt. Schwarze Hose mit dunklem Chasuble, die Haare streng zurück gekämmt, scheu, kühl, unnahbar betrat sie die Bühne und verbat  sich sogleich das Blitzlichtgewitter, störte es doch den starken Auftritt. Ihre Lesung dann perfekt, diszipliniert, hochkonzentriert  mit einem Gefühl für Sprache in ihrer sinnlichen Stimme, eine Spannung, die bis zur letzten Sekunde anhielt. Verdienter Applaus für eine große Künstlerin, Blumen, Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Nidderau und auch noch Autogramme für die Fans. Ein großer Abend für die Bertha!

HIER mehr Fotos

Close