Orgel-Feuerwerk

26.10.2013 – MG                                 HIER mehr Fotos

Orgelkonzert_Lenz_001Ein weiteres musikalisches Highlight im Veranstaltungskalender der Stadt Nidderau und gleichzeitig ein Fest nicht nur fürs Ohr, sondern auch für die Augen war das „Orgelfeuerwerk mit 4 Händen und 4 Füßen“ des Orgel-Duos Iris und Carsten Lenz am Samstag, den 26. Oktober 2013 in der katholischen Kirche St. Marien in Windecken auf Einladung des Vorsitzenden des Kulturbeirats Jürgen Reuling.

Das Spannende dieses Konzerts ist nicht nur das gemeinsame vierhändige Spiel des Ehepaar Lenz,  welches zurzeit das führende Orgel-Duo in Europa ist, sondern dass der Zuhörer durch die Videoübertragung auf eine große Leinwand hautnah die virtuose Fingerfertigkeit der Hände und Füße beim Spiel beobachten kann. Erstaunlicherweise hat das Orgelspiel mit 2 Organisten eine lange Tradition. Schon im späten 10. Jahrhundert gibt es erste Belege dafür und so verwundert es auch nicht, dass es an die 400 Kompositionen für Orgel-Duos gibt.

Die musikalische und geografische Rundreise des Konzerts begann in Deutschland mit einem sehr lebendigen, traditionellen Stück aus dem 18. Jahrhundert, der Fuge I G-Dur von Johann Christoph Kellner. Nach einem Ausflug nach England zur Theologen- und Musikerfamilie von Samuel Wesley und 3 Duetten erreichte man den Komponisten Luigi Malerbi in Norditalien. Dort wurde die enge Beziehung zwischen Oper und Orgel deutlich, denn es war seinerzeit durchaus üblich, dass Opernarien im Gottesdienst auf der Orgel gespielt wurden, wobei im wahrsten Sinne des Wortes „alle Register gezogen“ wurden. Nach einer kleinen Fughetta von Wilhelm Reuling, einst Operndirektor in Wien wechselte man ins 19. Jahrhundert. Das im englischen Sprachraum traditionsgemäß  zum Abschied gespielte und in Deutschland unter dem Titel „Nehmt Abschied, Brüder“ bekannte Lied, wurde in Orgelfassung von Eugene Thayer als „Concert Variations on Auld Lang Syne“  vierhändig gespielt. Dass auch Kanada eine spannende Orgelszene mit französischen Einflüssen hat, wurde bei der „Petite Suite“ von Denis Bedard hörbar, womit man schon im 20. Jahrhundert angelangt war. Es folgte das Werk „Charlie Dog Blues“ des äußerst produktiven Amerikaners Robin Dinda, der witziger Weise Kompositionen nach seinen zahlreichen Haustieren wie Hund, Katze, Schlangen und Meerschweinchen benannt hat. Dabei zeigte sich, dass auch Blues auf der Orgel gespielt werden kann. Abschluss und Höhepunkt des Konzertabends waren die „Geburtstags-Miniaturen“ der allseits bekannten Melodie von Carsten Lenz selbst arrangiert  und virtuos vorgetragen.

Dass die Mechanik zuweilen hakte und sich die Orgel musikalisch schon mal selbständig machte, trug ebenso zur lockeren Atmosphäre des Abends bei wie auch die ungezwungene  Moderation von Carsten Lenz. Langer, nicht enden wollender Applaus in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche. Die vom begeisterten Publikum geforderte Zugabe war ein Walzer von Pedalier, der bezeichnenderweise nur mit den 4 Füßen gespielt wurde. Das Publikum freute sich über ein kurzweiliges Orgelkonzert, grandios gespielt vom Ehepaar Lenz, dass mit dem Vorurteil, Orgelmusik wäre langweilig und schwer, mächtig aufräumte. 

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