Zauberhafte Führung

08.09.2013 – MG                    HIER mehr Fotos

Mischmasch_009Zum „Tag des offenen Denkmals“ hatten sich bei wechselhaftem Wetter diesmal auch viele auswärtige Besucher am Treffpunkt Nidderbrücke in Windecken zu einer Führung eingefunden, um den wie immer sehr unterhaltsamen Geschichten von Heinrich Quillmann zum Thema „Mischmasch: Vom Aberglauben und von anderem Zeugs“ zu lauschen. Den knapp 100 Teilnehmern stellte sich der 81jährige Quillmann dann als offizieller Gästeführer des Bundesverbandes Deutschland vor und wies darauf hin, dass Windecken in der Tat ein echter Fremdenverkehrsort mit jährlich 150 000 Tagesgästen und 17 000 Übernachtungen ist.

Nach der Verteilung von Stadtplänen, „damit auch keiner verlorengeht“ ging es dann gleich zum Hexenturm, der allerdings zum Bedauern nun doch nicht geöffnet war aus Gründen der Verkehrssicherheitspflicht. Von den vielen Hexen, die zu Tode gekommen sind, ist für Quillmann die bedeutendste Margarete Enders, denn sie hatte selbst unter der Folter keine Namen preisgegeben und andere Frauen damit vor dem Tode bewahrt.

Das Windecker Schloss, das an diesem Tag seine Pforte öffnete, hat eine wechselvolle Geschichte erlebt. Als Altersruhesitz für Katharina Belgica erbaut, im Krieg teilweise zerstört, später Amtsgericht, beherbergt es heute ein Tageszentrum der Alzheimer Gesellschaft. Den Besuchern wurde ein Zaubertrank aus allerlei Zutaten wie Tollkirsch, Stechapfel, Giftlattich und Mohn kredenzt, der trotz der giftgrünen Farbe gut mundete und sich Quillmanns Besorgnis, dass die Frauen nach Genuss über ihre Männer herfallen würden, als unbegründet erwies.

Vorbei führte der Weg dann an Fratzen auf einer Mauer, die dem Aberglauben nach zum Abschrecken von Feinden dienten. Helfen gegen Feuer, Hexen und Tollwut soll auch das bekannte Sator-Quadrat, das Quillmann verteilte, während er die Umstehenden vergeblich nach der Bedeutung fragte und entsprechend kommentierte „Ich hör nix, – ein bisschen hatte ich ja vorausgesetzt…!“ So gab er selbst die Auflösung: Sator, der Sämann, hält die rotierenden Räder auf. Wem Sators Zauberspruch noch nicht genug half, der kann jetzt dank Quillmann als Abwehr noch eine Sicherheitsnadel unter die Fußmatte legen und ein Messer ins Schlüsselloch stecken. Einen Schutzbrief gabs auch noch und mancherlei Geschichten vom Glockengießer, der eine 3 Tonnen schwere Glocke mit dem Schiff nach Mainz transportierte („Ohne die Windecker hätten die Mainzer keine Glocken“), von den weißen Neidköpfchen, die nicht wie andernorts die Zunge heraus strecken, weil es  in Windecken keinen Neid gibt und von Heinrich Kurz, der nicht nur den Pfannkuchenwender sondern auch den Zuckerportionierer „süßer Heinrich“ erfunden hat.

Nach solch kurzweiligen Geschichten gab es zum Abschluss die Mahnung, Zaubersprüche nicht weiter zu sagen, denn sonst ist der Zauber hin. 

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