Szenenapplaus für den „Hexenprozess“

03.08.2013 – MG

Würdiger Abschluss des Festjahres                 zur Fotogalerie


Premiere_002Mit der Aufführung des Theaterstücks „Der Hexenprozess“ nach einer Idee von Wilhelm Reul am Wochenende 3./4. August endete das Festjahr anlässlich des Jubiläums „725 Jahre Stadtrechte Windecken“. Seit Januar hatte es eine Vielzahl von Veranstaltungen gegeben, angefangen mit Vorträgen, Führungen, dem Altstadtfest und nun als Abschluss und Höhepunkt die Aufführung des Hexenprozesses durch die Nidderbühne. Über 50 Laiendarsteller waren beteiligt und hatten seit Januar hierfür geprobt und dem großen Tag entgegen gefiebert. Und ihr Engagement wurde belohnt. Auf dem Marktplatz waren sämtliche Sitzbänke bei freiem Eintritt voll belegt und man stand bis um die Bühne und war damit im Geschehen integriert. Auch das Wetter spielte mit und brachte angenehme sommerliche Temperaturen.

Das Theaterstück wurde von Frau Silvia Herrmann, Vorstandsmitglied der Heimatfreunde Windecken und Sekretärin des Bürgermeisters im Depot des Museums entdeckt. Es ist eine Geschichte um die Stadt Windecken und ihrer Bürger. Im 1. Teil des Zweiakters geht es um die Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1288. Der 2. Teil spielt 400 Jahre später. Das Stück gibt einen Einblick in das Leben und die Zustände der damaligen Zeit und ist trotz des bedrohlichen Themas auch ausgesprochen lustig. Es geht um eine unglückliche Liebe zwischen Florian und Maria, denn der Vater will seine Tochter mit einem alten, aber reichen Kaufmann verheiraten, um seine Schulden bei ihm loszuwerden. Hinzu kommt, dass man seiner Tochter Maria nach sagt, sie habe den bösen Blick. Noch mehrere kleine Handlungsstränge über ein zänkisches Weib und ihren braven Ehemann, über einen Dorfdepp und über zwei kroatische Landstreicher runden das Geschehen ab, das mit der Gerichtsverhandlung – dem Hexenprozess – auf dem Marktplatz endet. 

Bürgermeister Gerhard Schultheiß weiß in seiner Eröffnungsansprache zu berichten, dass das Thema der Hexerei auch schon von Martin Luther behandelt wurde. Dieser glaubte an Hexen und Teufelspakte, wobei er sich auf das Alte Testament berief mit der Aussage „Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“. Schultheiß zitiert aus einer Predigt Luthers, „Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“ Auf diese Weise eingestimmt, kann das Spiel beginnen.

Premiere_026Dass es so schlimm nicht kommt und die Komik der Situationen und die Spielfreude der Darsteller überhand gewinnt, wird schnell klar. Die Laiendarsteller agieren mit großer Begeisterung und schauspielerischem Einsatz. Am Ende geht alles gut aus und als der weise Schultheiß dem Volk (und dem sich angesprochen gefühlten Publikum) die Mahnung mit auf den Weg gibt: “Wahret den guten Ruf unserer Stadt Windecken und seid ehrlich und gerecht zueinander!“ brandet Szenenapplaus auf. Zum Abschluss tanzen die Mädels und Burschen zur Live-Musik des Duo Eigenart, das sich ebenfalls ehrenamtlich zur Verfügung gestellt hat und der richterliche Schultheiß entlässt alle zum Feiern auf den Festplatz.

Besonders geehrt wurde nach der Vorstellung auf der Bühne der achtzigjährige Helmut Westphal, Darsteller des reichen Kaufmanns Weitzel, der genau am Premierentag seinen runden Geburtstag feierte. Der Bürgermeister überreichte Weinflaschen, seine Bühnenpartnerin Rosel Bauer augenzwinkernd verbunden mit einem Gedicht eine Schachtel, auf der „Viagra“ stand und Evi Diegel, als 1. Vorsitzende für die Nidderbühne ein Kostümfoto gedruckt auf Holz von der Fotowelt Griepentrog, die ebenfalls ehrenamtlich das ganze Projekt fotografisch begleitet hatte. Zum Abschluss gab es dann langen Applaus für alle Darsteller und vor allem auch für Simone Patter und Martina Sonntag-Blättermann, die dieses große Projekt als Planerinnen, Organisatorinnen und Regisseure überhaupt ermöglichten.

zur Fotogalerie

Close